Jesus nahm die fünf Brote und die zwei Fische, blickte zum Himmel auf, sprach den Lobpreis, brach die Brote und gab sie den Jüngern. (Mt 14,19)

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Christen im Furttal anno 1280

In der kirchlichen Organisation des Mittelalters gehörte Regensdorf, wie Zürich-Affoltern, zur Kirchgemeinde Höngg. In der kleinen Siedlung Regensdorf, die nur ein paar Bauernhöfe am nördlichen Fuss des Gubrist umfasste, stand damals – als erstes Gotteshaus in Regensdorf – lediglich die Niklaus-Kapelle. Sie befindet sich noch heute in der Ecke Mühlestrasse/Kapellstrasse und wurde erstmals 1280 erwähnt.

Der Patron der jenseits vom Gubrist gelegenen Urpfarrei Höngg – während Jahrhunderten für die Gläubigen von Regensdorf zuständig – war bis zur Reformation der hl. Mauritius. Er wurde damit zum Patron der katholischen Regensdorfer. Auf diesem Weg hat die katholische Kirchgemeinde eine alte Tradition wieder aufgenommen, und so kam es auch zur Benennung «St. Mauritius über den Berg».

Gottesdienste in der Strafanstalt

Während der Errichtung der kantonalen Strafanstalt Regensdorf von 1898 bis 1901 waren zeitweise bis zu 400 Arbeiter aus Italien an diesem Bauwerk beschäftigt. Für sie und ihre Angehörigen wurde jeden Sonntag ein katholischer Gottesdienst gefeiert. 1916 trat Johann Jakob Frei sein Amt als Anstaltspfarrer an. Der an die Kirchenwand der Strafanstalt gemalte Leitspruch «Gott will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit kommen» diente damals als Grundlage der Predigt.

Steigende Anzahl von Katholiken in Regensdorf

Bis in den Zweiten Weltkrieg hinein war die Anzahl der Katholiken im Furttal sehr gering, und die Wege zu den sonntäglichen Gottesdiensten waren oft recht lang: für das untere Furttal nach Würenlos oder Wettingen, für das obere nach Niederhasli, Zürich-Affoltern, Höngg oder Seebach. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entwickelte sich vor allem Regensdorf zum Industrieort. Dies bewirkte eine starke Bevölkerungszunahme; somit musste dringend nach mehr Gottesdienstgelegenheiten im Dorf gesucht werden. Ein Kellerlokal im Haus der Familie Morger in Regensdorf diente ab 1955 als Gottesdienstraum, dort wurde jeden Sonntag eine Heilige Messe gefeiert.

Gründung der Pfarrei St. Mauritius

Der erste katholische Pfarrer von St. Katharina Zürich-Affoltern, Luigi Pontalti, war seit 1933 kirchenrechtlich für Regensdorf zuständig und kaufte schon 1937 ein Bauland im «Pfand» in Regensdorf. Auf diesem Grundstück steht heute das katholische Pfarreizentrum. Bis es jedoch so weit war, vergingen viele Jahre.

Alfons Della Pietra, der damalige Pfarrer von St. Katharina, berief 1958 eine Baukommission mit dem Architekten Richard P. Krieg. Die Kommission errichtete im Oktober desselben Jahres die «Katholische Kirchenstiftung St. Mauritius Regensdorf», in deren Besitz das 1937 erworbene Grundstück überging. Pfarrer Alfons Della Pietra setzte seine beiden Vikare, Hans Rossi (ab Januar 1958) und Josef Mächler (ab August 1959), als Seelsorger in Regensdorf ein.

Am 5. Juni 1960 wurde die neu erbaute Kapelle eingesegnet. Josef Mächler amtete ab Oktober als Pfarrrektor. Am 14. Januar 1963 war Regensdorf mit der Errichtung der Pfarrei St. Mauritius endgültig von der Mutterpfarrei St. Katharina Affoltern getrennt und wurde rechtlich zu einer katholischen Kirchgemeinde. Am Sonntag, 3. Februar 1963, wurde das Fest der «Pfarreierrichtung» und der «Pfarrinstallation» von Josef Mächler gefeiert. Von nun an umfasste die Pfarrei St. Mauritius ausser Regensdorf, Dällikon, Dänikon und Hüttikon auch Buchs, Boppelsen und Otelfingen.

Wenig Geld, grosser Einsatz und viel Gottvertrauen

Wie mit einem Ende 1957 vorhandenen Baufonds von Fr. 2000, in den folgenden fünf Jahren ein Baukredit von Fr. 350‘000 zusammenkam, ist eine bemerkenswerte Geschichte. Mit monatlich durchgeführten Hauskollekten ergab sich die erfreuliche Summe von Fr. 45'000. Eine Erleichterung waren auch zinslose Darlehen von Privatpersonen. Bei der Bittbrief-Aktion im Jahr 1961 wurden über 170’000 Briefe von Hand adressiert (wovon ein Insasse der Strafanstalt allein 10’000 schrieb!). Die Einnahmen dieser Aktion ergaben total Fr 120'000. Basar-Verkäufe, auch von Seiten der reformierten Bevölkerung, waren sehr gut besucht und erfolgreich.

Von 1960 an läutete eine Glocke von einem freistehenden Träger zu den Gottesdiensten. Diese war ein Geschenk von Frauen der Pfarrei, die für deren Anschaffung Fr. 5000 durch Putzarbeiten verdient hatten. Diese Glocke wurde der hl. Verena, einer Weggefährtin des hl. Mauritius, geweiht. Noch heute ertönt die 465 kg schwere Glocke über dem Eingang des Pfarreizentrums. Mit der lateinischen Inschrift «Omnia vincit labor improbus» (frei übersetzt: Man überwindet sämtliche Schwierigkeiten, wenn man Arbeit nicht scheut) soll sie auch an jene Zeit erinnern.

Das Pfarreizentrum als Ort der Begegnung

Die Annahme des neuen katholischen Kirchengesetzes brachte 1964 den Kirchgemeinden öffentlich-rechtliche Anerkennung. Die Kirchgemeinde St. Mauritius «blühte auf», und dem regen Pfarreileben fehlte es Zusehens an Räumlichkeiten. Im Dezember 1967 beschloss die Kirchgemeindeversammlung einen Kredit für eine Studienkommission hinsichtlich eines neuen Pfarreizentrums, welches einem doppelten Zweck dienen sollte: einerseits seiner religiösen Bestimmung, andererseits auch vielen kulturellen und überkonfessionellen Belangen als Ort der Begegnung. Am ausgeschriebenen Projektwettbewerb nahmen 13 Architekten teil. Der Gewinner, das Architekturbüro Prof. Benedikt Huber, erhielt mit seinem Projektvorschlag am 14. Februar 1972 den Bauauftrag.

Vom Baubeginn 1973 bis zur Vollendung 1974 waren viele Hürden zu überwinden und Wege aus verfahrenen Situationen zu finden, was nur mit Bemühungen aller Beteiligten gelang.

Grundsteinlegung

Am 2. September 1973 legte die römisch-katholische Kirchgemeinde Regensdorf, umfassend die politischen Gemeinden Boppelsen, Buchs, Dällikon, Hüttikon, Otelfingen und Regensdorf, den Grund- stein zum Pfarreizentrum für das Furttal in Regensdorf. Der Generalvikar für den Kanton Zürich, Herr Dr. Hans Henny, segnete den Bauplatz und den Grundstein.

Einweihung des Pfarreizentrums St. Mauritius

Am 15. Dezember 1974 wurde das Pfarreizentrum für das Furttal seiner Bestimmung übergeben. Im feierlich gestalteten Gottesdienst vollzog Diözesanbischof Dr. Johannes Vonderach die kirchliche Weihe. Der Einladung der Kirchenpflege und des Pfarramts folgten Angehörige der Pfarrei St. Mauritius sowie Gäste aus nah und fern.